DeutschEnglish

Antikes Monument trifft moderne Technik:
Die 3D-Digitalisierung des Hadrianstempels

 

Der sogenannte Hadrianstempel in der Stadt Ephesus (Türkei) ist eines der historisch bedeutungsvollsten Monumente der Region. Das Gebäude befindet sich im westlichen Abschnitt der Kuretenstraße, einer der wichtigsten Durchgangstraßen in diesem Gebiet.

 

Eine systematische Untersuchung und Publikation des Baubefunds liegen bislang nicht vor. Fragen zu Chronologie, Funktion sowie Rekonstruktionsdetails wurden von der Forschung zwar vielfach und kontrovers diskutiert, konnten allerdings bis dato nie endgültig gelöst werden.

 

Ein seitens des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI) Wien initiiertes und durch den Österreichischen Wissenschaftsfonds gefördertes Projekt soll Klärung in diese Ungereimtheiten bringen.

 

Projektdefinition und Zielsetzung

Bevor das Bauwerk in irgendeiner Form interpretiert werden kann, ist es von elementarer Bedeutung, zunächst die architektonischen und historischen Parameter der Gebäudestruktur zu klären. Der erste Schritt besteht darin, ein hochauflösendes dreidimensionales Oberflächenabbild des Hadrianstempels zu generieren. Darauf basierend wird ein zeitaktuelles, archäologisches Profil des Bauwerks angefertigt, die eine detailgetreue Dokumentation jedes Steins mit dessen Einschnitten, Werkzeugspuren und Verzierungen einschließt.

 

Eine wesentliche Zielsetzung in diesem Zusammenhang ist es, Orthobilder im Rahmen der Datennachbearbeitung zu erzeugen. Dies ist wichtig für die Kartierung von Spalten und Rissen durch einen spezialisierten Restaurator, um die originalen Baubestandteile des Tempels mit seinen modernen Ergänzungen vergleichen zu können.

 

Vorteile der digitalen Erfassung 

  • deutliche Zeitersparnis gegenüber handgefertigten Zeichnungen
  • keine Behinderungen durch Gerüst-Aufbauten über einen längeren Zeitraum
  • Besucher der antiken Stätte werden wenig behindert
  • rein objektive Dokumentation, subjektive Eindrücke werden eliminiert

 

Herausforderungen

  • Gebäude und Bauteile bilden durch den Wiederaufbau eine solide Struktur, die nicht verschoben oder demontiert werden kann
  • Größe des Gebäudes: Grundriss ca. 10 x 10 m, Gesamthöhe ca. 8 m
  • Gerüst zur Einhaltung des erforderlichen Arbeitsabstands
  • Digitalisierung ohne Schutzzelt: Erfassungsprozess nur nachts möglich
 

Zusammenfassung und Datennachbearbeitung

Im Verlauf des gesamten Projekts wurden zunächst sämtliche Scans in einem mithilfe der photogrammetrischen Daten der Indexmarken referenzierten Koordinatensystem ausgerichtet und registriert. Die Gesamtgenauigkeit dieses “eingeschränkten Ausrichtungsprozesses” für die 3D-Struktur des gesamten Tempels liegt im Bereich 1-2 mm, die erzielte lokale Genauigkeit ist typischerweise besser als 500 μm. In einer zweiten Phase wurden alle Daten in ein gemeinsames Polygonnetz zusammengeführt. Wo erforderlich, konnten kleinere Löcher mithilfe der OPTOCAT-Software automatisch gefüllt werden.

 

Eine weitere wichtige Nutzung der 3D-Daten ist ihre Verwendung für den Wiederaufbau der komplexen Dachstruktur des Hadrianstempels. Im Verlauf des Projekts wurde jedes einzelne architektonische Element des Gebäudekomplexes gescannt. Gemeinsam mit dem 3D-Abbild des Tempels kann man nun verifizieren, ob die rekonstruierten Teile korrekt mit ihren architektonischen Überresten übereinstimmen, insbesondere im Hinblick auf deren Verbindungs- und Werkzeugspuren.

 

Die 3D-Daten bieten nicht nur ein wichtiges Instrumentarium für die Dokumentation des Hadrianstempels. Darüber hinaus liefern sie aufschlussreiche, bedeutende Informationen für die Beantwortung komplexer architektonischer Ungereimtheiten, die ansonsten nicht hätten in Angriff genommen werden können.

 

Ein weiterer Gesichtspunkt der Datennachbearbeitung ist die Generierung von Orthobildern für Publikationen sowie die Herstellung von Kartenmaterial.

 

Das Forschungsprojekt wurde gefördert vom Österreichischen Wissenschaftsfond (FWF): P12345-B51.

 

Ausführlichere Informationen zu diesem Projekt finden Sie in einem Online-Artikel des Forum Archaeologiae.

 

 

 

 

Bilder

Scanvorgang aus verschiedenen Positionen
Vorbereitung der 3D-Digitalisierung
Nächtliche Scan-Arbeiten
Hadrianstempel
Detail Hadrianstempel