


Die Entwicklung der Menschheit ist eine spannende Lektüre, bei der es noch so manche Seite
zu füllen gilt: die dreidimensionale Erfassung beispielsweise von fossilen Fundstücken und Mumien ermöglicht präzise Analysen und detaillierte Interpretationen vergangener Erdzeitalter.

Die sogenannte virtuelle Anthropologie ist eine neue Forschungsrichtung, die durch eine Zusammenarbeit von Experten aus verschiedensten Bereichen realisiert wird: So unterstützt der Wissensaustausch zwischen Anthropologen, Mathematikern, Medizinern, Physikern und Computerwissenschaftlern u.a. die Untersuchung und Rekonstruktion fossiler Fundstücke und Mumien, oder trägt zu einem besseren Verständnis des Wachstums von Menschen und Großaffen bei.
In der Anthropologie unterstützen zum Beispiel auf 3D-Daten basierende Gesichtsrekonstruktionen die gerichtsmedizinische Identifizierung von Personen oder erlauben uns einen virtuellen Eindruck vom Aussehen ausgestorbener Populationen. Wegen ihrer hochwertigen dreidimensionalen Darstellung menschlicher Merkmale wird diese Methode auch vermehrt bei Gesichtsoperationen genutzt, um bereits vor dem Eingriff das post-operative Aussehen des Patienten darzustellen.
Um diese Entwicklungen und Ergebnisse von 3D-Erfassung in der Anthropologie einem breiten Publikum zugänglich zu machen, zeigt eine Ausstellung des Forschungsinstituts Senckenberg in Zusammenarbeit mit dem European Virtual Anthropology Network (EVAN) eindrucksvolle Beispiele von dreidimensionale Bildern, Computerrekonstruktionen und stereolithografischen 3D-Objekten fossiler Funde. Diese im Computer generierten Bilder geben den Besuchern nicht nur eine virtuelle, sondern auch sehr authentische Vorstellung vom Aussehen unserer Vorfahren. Diese Daten ermöglichen Forschern in aller Welt auch Rückschlüsse auf den Ursprung, die Entwicklung und das Leben des Menschen im Allgemeinen.
Im Forschungsbereich der Paläontologie werden mit Hilfe von dreidimensionalen
Scans unter anderem Analysen von sog. „occlusal fingerprints” (okklusale Fingerabdrücke) sowie funktionelle Verschleißmuster von Zähnen erstellt oder Schädelfunde virtuell rekonstruiert.
So können Experten über das Scannen der Zahn-Kauflächen und die anschließende Daten-Analyse beispielsweise Rückschlüsse auf die Nahrung längst ausgestorbener Lebewesen ziehen.
Artikel zu diesem Thema: Neandertaler-Speiseplan war vielseitiger als gedacht.

Weltweit erstmalig widmen sich die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim in der Ausstellung "Schädelkult" einem kultur- und zeitübergreifenden Menschheitsthema. Einzigartige Schädelfunde und Kopfpräparate geben spannende Einblicke in das Phänomen "Schädelkult". Über 300 Exponate zeugen auf beeindruckende Weise von der besonderen Bedeutung von Kopf und Schädel in der Kulturgeschichte des Menschen.
Die Ausstellung ist bis 29.04.2012 im Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim zu sehen.
Einen kurzen Überblick über die Ausstellungs-Vorbereitungen gibt der Film "Von Schrumpfköpfen und Kristallschädeln: Der Kult um den Kopf" (Spiegel TV Magazin)